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Wasserkraftforum stieß auf große Resonanz
Datum & Uhrzeit: 16.12.2009, 11:42 UhrAutor: Regina Vossenkaul
VIELE BESUCHER UND INFORMATIONEN AUS ERSTER HAND BEIM WASSERKRAFTFORUM

„Es klappert die Mühle…“ das alte romantische Volkslied hat nur teilweise Recht, wurde während des Wasserkraftforums in Haselbach klar, denn geklappert haben hauptsächlich die übertragenden Zahnräder, nicht die Mühle selbst. Auf große Resonanz stieß das Wasserkraftforum, mehr als 50 Interessenten und Betreiber von Kleinwasserkraftwerken ließen sich von vier kompetenten Referenten über die neuesten gesetzlichen Grundlagen, technische Möglichkeiten und Erfahrungen informieren. Eingeladen hatte die Energie-Initiative Rhön und Grabfeld e.V. in Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke, dem Biosphärenreservat Rhön und der Energieagentur Unterfranken.
In seiner Begrüßung erinnerte der Vorsitzende der Energie-Initiative, Daniel Miller, an das große Wasserkraft - Potenzial von geschätzten 10,5 GWh/a, das laut des vorhandenen Energiekonzepts Bayerische Rhön in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld vorhanden ist. An diesen Gedanken knüpfte Martin Kremer vom Biosphärenreservat Rhön an, der über die Erfahrungen aus der hessischen Rhön berichtete. Rund 55.000 Wasserkraftwerke gab es im Jahr 1900 noch in Deutschland. Mit der Wasserkraft wurden Getreide- und Ölmühlen betrieben, Sägewerke und Drechslereien, sie versorgten bisweilen ganze Dörfer mit Elektrizität. Die industrielle Revolution wäre ohne die Mühlen undenkbar. Das Mühlensterben begann durch die Erfindung von Dampfmaschinen, Diesel- und Benzinmotoren. Im Jahr 2006 gab es noch 7.500 Mühlen.
„Lebendiges Kulturgut“ nannte Kremer die Mühlen, deren Vorteile auf der Hand liegen: sie haben keine schädlichen Abgase, sie laufen Tag und Nacht, sie erwärmen weder die Atmosphäre noch haben sie irgendwelche Abfallprodukte. Außerdem tragen sie zur regionalen Unabhängigkeit bei. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch in Deutschland habe sich in den letzten acht Jahren verdreifacht, die Wasserkraft stagniere, obwohl es auch hier eine garantierte Einspeisevergütung gibt. Angesichts der Klimaerwärmung habe eine Rückbesinnung begonnen, viele Besitzer von Wasserrechten reaktivieren alte Anlagen oder verbessern sie. In der hessischen Rhön werden laut einer Erhebung zwei Millionen kW/h erzeugt von Turbinen und Wasserrädern, das deckt den Strombedarf für 1900 Vier-Personen-Haushalten.
Wie schwer es ist, heutzutage eine neue Genehmigung für ein kleines Wasserkraftwerk zu erhalten, wurde im Verlauf des Abends mehrmals ausgeführt. Alles muss stimmen: eine Fischtreppe oder ein Umgehungsgerinne muss vorhanden sein, die Restwassermengenverordnung muss eingehalten werden. Das biologische Gefüge muss hinter dem Kraftwerk genauso sein wie vor dem Kraftwerk, ist das Ziel. Während Kritiker von einer „Fischhächselmaschine“ sprechen, weisen die Mühlenbauer darauf hin, dass große Fische von dem Rechen zurückgehalten werden, kleine teilweise unbeschadet durchrutschen. Während der Wanderzeit der Aale, die nur wenige Tage dauert, könne man die Anlagen auch mal ausschalten, um Risiken zu vermeiden, hieß es. Mühlbäche haben Pufferfunktion bei Hochwasser, sie reichern Sauerstoff an und schaffen zusätzliche Nahrungsbiotope, sagen die Befürworter. Man sollte die Kräfte bündeln, so Kremer, sonst könne es passieren, dass angesichts der Klimaschutzdebatte die Wasserkraft ihre Chance „verpennt“.
Viele beeindruckende Beispiele von gebauten Mühlen zeigte Walter Schuhmann aus Bad Kissingen, der betonte, wer die Technik gut im Griff habe, könne auch von Wirtschaftlichkeit sprechen. Mühlenanlagen sind bis auf die Holzteile erstaunlich langlebig, wovon man sich auch im Fladunger Freilandmuseum überzeugen kann. Ein gutes, oberschächtiges Mühlrad transportiere alles, vom Fisch bis zum Autoreifen unbeschadet hinüber, so Schuhmann.
Von seiner eigenen, mehrteiligen Wasserkraftanlage berichtete Dipl.Ing Christoph Pfeffer aus Regen, dann informierte Dipl.Ing Michael Müller aus Kalchreuth über geltende gesetzliche Bestimmungen und ermunterte die Anwesenden, den Gang durch die Behörden nicht zu scheuen und dabei immer auf die „Win-win-Situation“ hinzuweisen. An die Vorträge schloss sich eine lebhafte Diskussion an.
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