Projekte › Bayerisch-österreichisches Treffen der Solarinitiativen mit der Bad Neustädter Resolution zur Solarenergie

Downloads

17. Jahrestreffen der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solarinitiativen
12. Jahrestreffen der österreichischen und bayerischen Solarinitiativen in Bad Neustadt

Bad Neustadt (vo) Für den Schutz der Erdatmosphäre und den Erhalt einer lebenswerten Umwelt durch die Förderung der regenerativen Energien: Vom Freitagnachmittag bis Samstagabend (29. und 30. Januar) fand im Landratsamt Bad Neustadts das 17. Jahrestreffen der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen (ABSI) und gleichzeitig das 12. Jahrestreffen der österreichischen und bayerischen Solarinitiativen statt. Gastgeber war die Energie-Initiative Rhön und Grabfeld (EIRG), die sich seit mehr als 15 Jahren auf diesem Gebiet engagiert.

Erster Vorsitzender Daniel Miller und Landrat Thomas Habermann als Schirmherr begrüßten die mehr als 130 Gäste aus Österreich und Deutschland. Habermann wies auf die gute Zusammenarbeit im Landkreis Rhön-Grabfeld mit Bund Naturschutz und Bauernverband und die vielen Projekte, die schon mit Hilfe der Bürger als Investoren realisiert werden konnten. Nachhaltigkeit, hohe Effizienz und die Wertschöpfung für die Region seien dabei feste Grundsätze. Er bestätigte seine Ablehnung von größeren Windkraftanlagen, vor allem, wenn sie durch auswärtige Investoren gebaut werden, und setzt auf die Genehmigung von einzelnen Windanlagen, wie er sagte. Seine strikte Haltung gegen die Nutzung der Atomkraft brachte ihm spontanen Applaus ein. Daniel Miller bedauerte in seiner Begrüßung, dass der Landkreis noch keinen Beschluss in Sachen "Energieautarker Landkreis" gefasst hat.

Der erste ABSI-Sprecher, Prof. Dr. Ernst Schrimpff aus Freising, war überwältigt von der großen Resonanz und bedankte sich bei der EIRG für die gute Organisation. Er kritisierte den Bezug von Atomstrom durch das ÜWU und wies auf eines der augenblicklichen Hauptanliegen hin: die geplante Absenkung der Einspeisevergütung, was besonders die Freiflächen und großen Dachanlagen trifft. Dazu passte der erste Vortrag von Andreas Henze (Sonnenkraft Freising e.V.) über PV-Freilandanlagen. Er machte klar, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt diese Anlagen unersetzlich sind, weil sie helfen die wichtige Energiewende herbeizuführen und rechnete vor, dass durch den jährlichen Zubau von 11GW über 15 Jahre das angestrebte Ziel von 30 Prozent Solarstromanteil am Gesamtstrom erreicht werden kann. Das geht nicht allein mit Hausdächern und Fassaden, obwohl dies letztendlich angestrebt wird. Alle auf Grünland betrieben PV-Anlagen lassen sich nach rund 30 Jahren rückstandslos wieder abbauen. Ökologische, wirtschaftliche und soziale Kriterien müssen bei der Standortwahl berücksichtigt werden, man sollte für die Gemeinden, die Investoren und Grundbesitzer eine Win-win-win-Situation herbeiführen, so Henze. Ein Leitfaden wurde erarbeitet und steht unter www.solarinitiativen.de zur Verfügung.

Ähnliches gilt für die Windkraft, nur das hier den möglichen Investoren vor allem in Bayern der Wind noch heftiger ins Gesicht bläst. Von allen Flächenländern steht Bayern hier auf dem drittletzten Platz. Die Referenten Gunter Häckner vom Bundesverband Windenergie, Florian Arand, Rechtsanwalt aus Bad Kissingen, und Karsten Schuster, von der Betreibergesellschaft "Windkraft Theilheim GmbH & Co.KG" zeigten die üblichen Hindernisse und Lösungsmöglichkeiten auf. Klar ist, dass nicht nur Off-Shore-Kraftwerke viel Energie bringen, sondern durch die neue Generation auch Windkraftanlagen im Binnenland, sogar über dem Wald, wie es im Schwarzwald gezeigt wird. Die USA sind unübertroffene "Windweltmeister".

Prof. Dr. Hartmut Graßl vom Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg, hielt den Hauptvortrag am ersten Tag und räumte einige Missverständnisse in Sachen Klimaschutz aus. Den Zweiflern, die immer noch den derzeitigen Klimawandel als Folge der elliptisch Rotation der Erde um die Sonne und die unterschiedliche Stärke der Sonnenaktivität sehen, rechnete er vor, dass alle so entstandenen Klimaveränderungen nur Differenzen um 0,5 Grad gebracht haben. Das Bestreben der Staatengemeinschaft, die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken, rettet das Grönlandeis nicht, machte er klar. Das Schmelzen der Gletscher und des Polareises (Arktis mehr als Antarktis) trägt nicht so viel zum Anstieg des Meereswasserspiegels bei wie die Ausdehnung des Wassers durch die allgemeine Erwärmung. Neueste Zahlen bringen die jetzt möglichen Radarmessungen via Satelit: Der Meeresspiegel stieg zwischen 2000 und 2008 jährlich um 3,9 mm pro Jahr. Ein Grad Erderwärmung bedeuten letztendlich im Laufe vieler Jahre den Anstieg des Meeresspiegels um 25 m. Wann kommt der Kipp-Punkt? Beispielsweise wenn das Grönlandeis fast völlig geschmolzen ist, wenn der Wald anstatt CO2 aufzunehmen welches abgibt oder wenn der Permafrostboden auftaut? Was wäre, wenn wir uns heute nicht um den Klimaschutz kümmern? Grassl wies auf Flüchtlingsströme hin und Dürre- und Katastrophengebiete ohne Lebensgrundlage für die Bevölkerung. Wer Wasser hat, der bekommt noch mehr und umgekehrt, so Grassl. Der Mensch habe bereits die Grenzen des gefährlichen Eingriffs in die Naturkreisläufe überschritten bezüglich des Stickstoffkreislaufes (durch Auto- und Kraftwerkemissionen, Tierhaltung), eine besonders hohe Rate des Artensterbens und den Klimawandel.

Zu einem Fränkischen Schmankerlbuffet waren alle Teilnehmer am Abend eingeladen, außerdem wurde ein Rundgang mit dem Nachwächter durch die verschneite Innenstadt angeboten.

30 Prozent Solarstromanteil als Ziel

Bad Neustadt (vo) Am zweiten Tag des Treffens der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen und österreichischen Solarinitiativen (ABSI) begrüßte Bad Neustadts Bürgermeister Bruno Altrichter die anwesenden Vertreter der Vereine und Gruppen und erinnerte daran, dass es Apelle von Vordenkern in Sachen Klimaschutz und Ressourcenschonung schon seit rund 15 Jahren gibt, sie fanden leider zu wenig Gehör. Jetzt stünden diese Themen immer mehr im Mittelpunkt der politischen Entscheidungen weltweit, das sei richtig und wichtig. Die Bewirtung lag an diesem Tag in den Händen der Landfrauen.

Nach einem Rückblick über das abgelaufene Jahr wurden die ABSI-Sprecher, das sind Prof. Dr. Ernst Schrimpff, Hans-Josef Fell, Raimund Becher, Martina Raschke und Birgit Baindl, für ein Jahr wieder gewählt.

Hans-Josef Fell MdB betrachtete in seinem Vortrag die Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland, der EU und weltweit und machte klar, dass selbst wenn sich Deutschland durch unverständliche gesetzliche Einschränkungen selbst ins Abseits manövriert, die Entwicklung weg von den fossilen, hin zu den erneuerbaren Energien nicht aufzuhalten sei. Er wies auf eine fundierte neue Studie hin, die beweist, dass bis 2030 weltweit die Deckung des Energiebedarfs zu 100 Prozent durch Sonne, Wind und Wasser möglich ist. Bioenergie spielt dabei eine nur geringe Rolle. Während hier die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke angestrebt wird, obwohl das Vorhandensein einer zu großen Grundlast durch unflexible Kohle- und Atomkraftwerke zum Abschalten von Windkraftanlagen bei viel Wind führt, hat China 40 Milliarden bereit gestellt für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Frankreich hatte im vergangenen Sommer so viel Kühlprobleme mit seinen Atomkraftwerken, dass Deutschland Strom dorthin verkauft hat, nicht umgekehrt, wie von Kritikern immer vermutet wird.

Fell regte die (jetzt verbotene) Doppelnutzung von Äckern an. Warum soll rings um die PV-Module nicht etwas Nützliches wachsen? Die Elektromobilität müsse vorankommen, die Geothermie, das Einspeisegesetz für Biogas müsse verabschiedet werden und der privilegierte Netzzugang geregelt werden, so Fell. Stromspeicher der neuen Generation und intelligente Energielösungen in jedem Haus - auch die Elektroautos nehmen direkt Strom ab und werden zu dezentralen Stromspeichern - so sieht die Zukunft aus.

Zur Energie- und Klimapolitik sprachen EU-Politiker Martin Unfried aus Maastricht, MdB Horst Meierhofer, stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses, und Dr. Jörg Stumpp vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, München. 20 bis 30 Prozent der Treibhausgasemissionen (CO2, Methan, Lachgas u.ä.) sollen nach EU-Richtlinien bis 2020 im Vergleich zum Jahr 1990 vermieden werden, wurde berichtet. Leider gebe es Bestrebungen, vieles über den Emissionshandel zu regeln. Meierhofer setzt sich ein für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und vor allem den Einspeisevorrang, das "Herzstück" der gesetzlichen Regelungen, wie er es nannte. Die Forschungsintensität müsse vor allem im Bereich Speicherkapazität voran kommen. Er regte an, die geplante Reduzierung der Einspeisevergütung wegen der Witterung hinauszuschieben und sie bezüglich der Freiflächen vielleicht abhängig von der Bodengüte zu machen.

Martin Wolzmüller vom bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V. zeigte seine Sicht der Entwicklungen und stellte fest, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt zwischen Heimatschützern und Solarinitiativen. Was man in den Kommunen bewirken und wie man Energie sparen könnte, legte Sebastian Kilburg von C.A.R.M.E.N. in Straubing dar. Eine Resolution wurde am Ende des Jahrestreffens verabschiedet, bei der es um die künftigen Bestimmungen über den Bau von Solaranlagen und das Einspeisegesetz geht. Eines der angestrebten Ziele: 30 Prozent Solarstrom (Anteil am Gesamtstrom) bis 2025 als gesetzliches Ziel.

Gemeinsam in Sachen erneuerbare Energien unterwegs: (von links) Hans-Josef Fell MdB, erster ABSI-Sprecher Prof. Dr. Ernst Schrimpff, Dr. Jörg Stumpp vom Umweltministerium München und Horst Meierhofer MdB.

Über ein erfolgreiches zweitägiges Treffen mit vielen Inhalten und Möglichkeiten zum Gedankenaustausch in Bad Neustadt freuten sich (von links) die fünf wieder gewählten ABSI-Sprecher (von links) Raimund Becher, Prof. Dr. Ernst Schrimpff, Hans-Josef Fell, Birgit Baindl und Martina Raschke sowie der Vorsitzende der gastgebenden Energie-Initiative Rhön und Grabfeld, Daniel Miller.

Fundierte Informationen aus erster Hand brachte Prof. Dr. Hartmut Graßl vom Max-Plank-Institut Hamburg.

Fotos: Regina Vossenkaul

Free counter and web stats