Aktuelles

"Die Sirenen schrillen"
Datum & Uhrzeit: 21.04.2008, 19:39 UhrAutor: Daniel Miller
Ein aktuelles Interview mit Herrn Birol, dem Chefökonom der bisher sehr konservativen Internationalen Energie-Agentur (IEA), sorgt für große Aufmerksamkeit! Die Kernaussage lautet: "Wir sollten das Öl verlassen, bevor das Öl uns verlässt"!

Wichtigste Ergebnisse:
- Die IEA räumt erstmals Versorgungslücken von ca. 15% des Weltölbedarfs bis 2015 ein
- der beobachtete Abfall der Ölförderung aus den existierenden Feldern
beträgt 3,5- 4,2% jährlich
- die IEA untersuchte bereits alle 230 aktuell in Realisierung
befindlichen neuen Förderprojekte, die resultierende Gesamtkapazität der Weltölförderung ist trotzdem auch unter Berücksichtigung dieser Projekte zu gering
- auch unkonventiionelle Öle wie kanadische Ölsande tragen nur dazu bei, dass die Ölförderung nicht noch steiler abfällt, schaffen aber keinen
Ersatz und keinen Zuwachs
- Substanzieller Zuwachs in der Ölförderung müsste laut IEA vor allem
aus den OPEC-Staaten kommen, dort wird aber zu wenig investiert.
- Laut Birol befinden wir uns im 'Blindflug' bezüglich der Daten über
die noch vorhandenen Ölvorräte insbesondere in den OPEC Staaten, aber auch bezüglich der privaten Ölgesellschaften.
Die Datenlage ist intransparent, die IEA fordert daher mehr Transparenz.
- Birol geht davon aus, dass die OPEC-Staaten auch bei einer möglichen
Überschätzung ihrer Reserven noch in ihrer Fördermenge ca. 50% zulegen könnten bei entsprechenden Investments, jedoch geht er zugleich davon aus, dass das nicht die Förderpolitik der Ölländer ist, sondern dass diese mehr Öl für ihre Kinder lassen wollen
- Gegeben durch Geologie, Förderpolitik und zu geringem Investment
werden wir daher bis 2015 gegenüber dem prognostizierten Weltölverbrauch eine Lücke von 12,5 Millionen Barrel pro Tag, das sind rund 15% des heutige Weltölverbrauches haben.
- im kommenden World Energy Outlook, welcher im November 2008 erscheint, will die IEA zur genaueren Lagebeschreibung daher die 350 größten Öl- und Gasfelder der Welt in ihren Fördermengen untersuchen.
- Zudem sagt die IEA dass sie im Herbst 2007 die Regierungen bereits
ausdrücklich gewarnt hat vor einem 'Supply-Crunch' - einer Versorgungskrise und läutet daher laut die Alarmglocken.
- Birol fordert einen raschen Politikwechsel hin zu mehr
Energieeffizienz und weg vom Öl: "Wir sollten das Öl verlassen, bevor
das Öl uns verlässt".

Das komplette Interview gibt es unter:
http://www.internationalepolitik.de/archiv/jahrgang-2008/april/--die-sirenen-schrillen--.html
‹ zur Übersicht
Free counter and web stats