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Unsere Exkursion nach Haßfurt
Datum & Uhrzeit: 25.09.2017, 17:37 UhrAutor: Regina Vossenkaul
Power to Gas - Meilenstein der Energiewende
Eine Gruppe interessierter Teilnehmer traf sich am 20.09.2017 auf Einladung der Energie-Initiative Rhön und Grabfeld e. V. in Haßfurt, um die Power-to-Gas-Anlage im Mainhafen der „Windgas Haßfurt GmbH & Co. KG“ zu besichtigen. Weil sie die Lücke schließt zwischen Stromerzeugung und Speicherung gilt die Anlage als „Meilenstein für das Gelingen der Energiewende.“
Die mit einem 1,25-Megawatt-Elektrolyseur der Firma Siemens ausgestattete Anlage setzt genau dort ein, wo es bisher die heftigste Kritik an der Windenergie gab: Dass nämlich die Windräder abgeschaltet werden mussten, wenn sie zu viel Strom produzieren und umgekehrt keinen Beitrag zur Stromversorgung leisten, wenn Flaute ist. Damit ist in Haßfurt jetzt Schluss: Die Power-to-Gas-Anlage, die vom Bürgerwindpark im Sailershäuser Wald und von den drei Windkraftanlagen bei Buch und Bayerhof (sowie einigen Solaranlagen) versorgt wird, nutzt die überschüssige Energie, um Wasser in Wasserstoff („Windgas“) und Sauerstoff zu spalten. Der Wasserstoff wird als klimaneutrales Gas ins allgemeine Gasnetz eingespeist und der Verbrennung in Haushalten, Gewerbe und Industrie zugeführt.
Pro Jahr liefert der containergroße Elektrolyseur eine Million Kilowattstunden des Öko-Gases für 14 000 Pro-Windgas-Kunden von Greenpeace Energy. Die Windgas Haßfurt ist ein Joint Venture der Energiegenossenschaft mit dem Stadtwerk Haßfurt unter seinem Leiter Norbert Zösch. Zu den Abnehmern der Anlage gehört die benachbarte Mälzerei, die das Windgas dem Erdgas beimischt, mit dem sie ihr Blockheizkraftwerk befeuert. Pro-Windgas-Kunden zahlen einen Aufschlag von 0,4 Cent für den sauberen Strom, das trägt dazu bei, dass sich die Investition in die zwei Millionen Euro teure Anlage refinanziert.
Gesteuert wird die Windgasanlage von Köln aus. Sie ist die erste Power-to-Gas-Anlage unter rund 3000 dezentralen Kraftwerken – Biogasanlagen, Windräder, Solarparks, Blockheizkraftwerke, Wasserkraftanlagen etc. – die die „Next Kraftwerke GmbH“ zu einem großen virtuellen Kraftwerk zusammengefasst hat. In gerade einmal 20 Sekunden lässt sich die Power-to-Gas-Anlage von Null auf Volllast hochfahren und umgekehrt von Volllast auf Null. Läuft die Anlage bereits, kann der Elektrolyseur binnen Millisekunden auf Schwankungen im Stromnetz reagieren. Für diesen Beitrag zur Stabilisierung bekommen die Next Kraftwerke und die Windgas Haßfurt Geld von den großen Stromnetzbetreibern.
Bisher hat die Politik gezögert Windgas die nötige Unterstützung zu gewähren. Und das, obwohl Studien zeigen, dass Windgas nicht nur im Strombereich unverzichtbar ist, sondern zudem als einzige Technologie die nötigen Kapazitäten bietet, um in Zukunft auch im Verkehrssektor, in der Wärmeversorgung oder in der Chemieindustrie die CO2-Emissionen drastisch zu senken. Erste Anzeichen für ein Umdenken in der Politik sind jedoch zu registrieren.
Pionier will die Windgas Haßfurt in jedem Fall bleiben: Gedanklich sind Norbert Zösch, Nils Müller und Prof. Markus Brautsch von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden schon längst weiter. Sie kündigen an, innerhalb von drei Jahren ein Blockheizkraftwerk zu entwickeln – und zwar für die Mälzerei Weyermann – das ausschließlich Wasserstoff „verbrennt“. Das wäre ein immenser Fortschritt, weil der klimaneutrale Wasserstoff dem Erdgas bis dato nur beigemengt wird, die Verbrennung von Erdgas selbst aber klimarelevant ist. Ingenieur Brautsch und seine Mitstreiter wollen die Elektrolyse, sprich die Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, umkehren – über Brennstoffzellen. Das Prinzip ist längst bekannt, aber bislang ist es in so großem Maßstab nicht möglich. Unter Verwendung dieser Quelle: http://www.hassfurter-tagblatt.de/lokales/aktuelles/art2824,477238

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